Französin gewinnt das Offene Internationale Schachturnier zum Weltfrauentag
Augsburg. - Es soll tatsächlich Männer geben, die der Meinung sind, dass Frauen nicht Schachspielen könnten. Wer das Offene Internationale Turnier zum Weltfrauentag im Hotel am alten Park mitverfolgte, wurde mehr als nur eines Besseren belehrt. Es waren herausragende Leistungen, die die 46 Teilnehmerinnen in der A- und B-Gruppe an fünf Tagen demonstrierten, und so mancher männliche "Kiebitz" staunte nicht schlecht ob der starken positionellen und ideenreichen Züge der "Amazonen am Brett".
Zusätzlich noch umgeben vom "Equal Pay Day" war der Weltfrauentag der ideale Rahmen für das erneut hervorragende Turnier, durchgeführt von der Schachschule Jussupow aus Weißenhorn. In der A-Gruppe (27 Teilnehmerinnen) lag mit sieben Punkten aus neun Partien die Französin und Internationale Meisterin Deimante Daulyte-Cornette vom SK Schwäbisch Hall alleine an der Spitze, gefolgt von der Schweizerin Mariia Manko vom SC Bad Königshofen, die mit sechs Punkten eine WGM-Norm (Weiblicher Großmeister) erreichen konnte. Ebenfalls sechs Punkte erzielte die frühere deutsche Meisterin, die aus der Ukraine stammende Kateryna Dolzhykova, die bereits den WGM-Titel trägt und für den SV Oberursel in der Bundesliga spielt. Den Sonderpreis für die beste Seniorenspielerin erhielt Olga Birkholz vom SC Bayreuth. IM Daulyte-Cornette konnte zudem den Preis der "Emanuel-Lasker-Gesellschaft" entgegennehmen und wurde für das heuer im August stattfindende Großmeisterturnier in Dortmund nominiert.
Nicht weniger spannend verliefen die Kämpfe in der B-Gruppe (19 Teilnehmerinnen). Hier setzte sich Johanna Richter von den Schachfreunden Heidesheim mit 6,5 Punkten vor Olivia Lukas (SF Deizisau, 5 Punkte) und Smrithi Suryaprakash von den Schachfreunden München (4,5 Punkte) an die Spitze. Der Seniorinnen-Sonderpreis ging aus Augsburger Sicht erfreulicher Weise an Susanne Bulmer vom SK Kriegshaber. Jüngste Teilnehmerin war die neunjährige Alicia Schaper vom SK Freilassing.
Sowohl über den Spielort als auch über das breite internationale Feld zeigte sich das Organisationsteam des Turniers hocherfreut. Die Frauen und Mädchen kamen aus der ganzen Welt, so aus den USA, Indien, Lettland, Estland, den Niederlanden, Bulgarien und Rumänien; die meisten von ihnen spielen in deutschen Vereinen. Der Turnierdirektor, Großmeister Artur Jussupow, kündigte bereits eine Fortsetzung im kommenden Jahr wieder in Augsburg an, und seine Gattin, die Hauptschiedsrichterin Nadja Jussupow, fühlte sich gleichfalls im Kreise "ihrer Schachdamen" sehr wohl. Der aus Berlin vom Deutschen Schachbund nach Augsburg berufene Schiedsrichter Dan-Peter Poetke, der seit nunmehr 20 Jahren als Referee tätig ist, war voll des Lobes über die Leistungen und die gute Atmosphäre, die auch die Präsidentin der Schachgesellschaft Augsburg, Ulla Münch, voll umfänglich unterstrich.
Jedenfalls meinten viele Männer an den Spielfeldrändern, dass sie nicht "unbedingt gegen so manche Frau" antreten wollten. Von wegen, Frauen könnten nicht Schach spielen.
(Text: Wolfgang Taubert)
Die Turniersiegerin Deimante Daulyte-Cornette mit Ulla Münch (l.) von der Schachgesellschaft Augsburg und Hauptschiedsrichterin Nadja Jussupow (r.) (Foto: Taubert)
v. l. n. r.: Turnierdirektor Artur Jussupow, Schiedsrichter Dan-Peter Poettke, 1. Vorsitzende SGA Ulla Münch, Nadja Jussupow (Bild: AZ Krieger)